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Kittecat

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Silke: „Bisher nannte ich den Chaser Bin mein. Der dritte Mähdrescher, ein gelber Cat, stand immer noch in Frankland. Letzte Reparaturarbeiten wurden erledigt. Als die Maschine die Farm erreichte, machten Mike und Adam einen ersten Test. Sie fuhr keine zwei Meter, da brach die Klinge. Also ging es zurück nach Frankland.

Dann war es endlich soweit. Die Maschine war zum zweiten Mal repariert. Groß und beeindruckend thronte sie neben der Kornkammer. Und ich, ich hatte Angst! Die Mähdrescher sind teuer und es geht so schnell etwas kaputt. Außerdem ist der Wendekreis ganz anders als bei einem Auto. Von der Fahrerkabine aus sieht man ein riesiges Schneidewerk und muss Augen überall haben. Das Getreide darf weder zu hoch, noch zu tief geschnitten werden. Die Köpfe müssen in der Maschine landen, der Rest soll auf dem Feld bleiben. Das hatte Andre mir erklärt, als ich kurz neben ihm gesessen hatte. Richard machte noch mehr Druck: „Die Cat-Maschine  ist geliehen. Ich zahle 200 Dollar pro Stunde. Wenn du sie fährst, dann musst du sie an ihre Grenzen bringen!“ Na super, als ob ich nicht schon nervös genug war! Am liebsten hätte ich meinen Chaser Bin behalten, da wusste ich zumindest, was ich zu tun hatte.  Zum Glück erklärte Adam mir, wie die Maschine funktioniert. Hätte Richard neben mir gesessen, wäre ich wahrscheinlich nach zwei Minuten schreiend weggelaufen.

Adam schaute mir noch ein Bisschen beim Fahren zu, verabschiedete sich aber recht schnellt. Er und Andre dreschten auf einem anderen Feld.

Für meine erste Fahrt hatte Richard ein ebenes viereckiges Feld ausgesucht. Zudem durfte ich während der ersten Stunden Raps ernten. Die Pflanzen können bis zu zwei Meter hoch werden. Da die Saat sich im oberen Teil befindet, werden sie nicht tiefer als 50 cm vom Boden geschnitten. Ich hatte also genug Spielraum. Selbst, wenn ich den falschen Knopf drückte, berührte das Schneidewerk den Boden nicht. Außerdem lief ich keine Gefahr, einen Stein zu treffen.

Stunden verbrachte ich auf dem Feld, fuhr die Bahn hoch und dann wieder runter. Ich fand es einfach nur anstrengend, die 10 m des Schneidewerks im Auge zu behalten. Außerdem drückte ich immer wieder den falschen Knopf. Mein Funkgerät funktionierte kaum und Richard fragte jede halbe Stunde, ob alles klar wäre. Leider verstand ich ihn kaum, so dass ich noch gestresster war. Am liebsten hätte ich aufgegeben. Aber dafür war ich zu stolz. Ich hatte schließlich immer wieder nachgefragt, wann mein Mähdrescher denn endlich fertig ist. Also hieß es Augen zu und durch. Nein, stopp, Augen auf, die Maschine ist teuer!

Nach einigen einsamen Stunden voller Angstzustände und Schweißausbrüche beschloss Richard, dass ich zu den Jungs auf das andere Feld sollte. Es war bereits dunkel. Adam und Andre befanden sich auf dem schwierigsten Stück des Feldes. Es ging rauf und runter. Ich musste schnell reagieren, hatte aber zu wenig Erfahrung. Mike übernahm mein Steuer. Ich hatte ein paar Stunden frei, die ich deprimiert vor dem Fernseher verbrachte.

Nachdem das schwierige Stück beendet war, durfte ich mein Glück ein zweites Mal versuchen. Neuen Mutes stieg ich in die Fahrerkabine. Angespannt und konzentriert versuchte ich die Maschine zu bedienen. Der Angstschweiß perlte mir vor der Stirn. Doch es war schon nicht mehr ganz so schwierig wie am Anfang. Erleichtert atmete ich auf. Plötzlich schaltete sich das Schneidewerk aus, ein rotes Licht leuchtete auf und ein schriller Piepston erklang. Egal welchen Knopf ich drückte, das nervenraubende Geräusch wollte nicht aufhören. Verzweifelte funkte ich Adam an. Er fuhr direkt in meine Richtung und ich verließ fluchtartig die Fahrerkabine. Mein Nerven hatten für heute genug gelitten. Adam erreichte meinen Mähdrescher und zeigte auf meine Hinterräder. „Ich würde sagen, dein Tag ist beendet, du hast ein Rad verloren!“, übertönte er das Grollen der Maschinen. Ungläubig schaute ich nach links. Oh mein Gott! Ich habe ein Rad verloren! Geknickt und mit gesenktem Kopf stieg ich zu Adam in den Mähdrescher. „Richard bringt mich um und vergräbt mich irgendwo auf der Farm, wo keiner mich finden kann!“, war das einzige, was mir einfiel. Adam grinste: „Ich stell ein Kreuz für dich auf. Aber zuerst suchen wir dein Rad.“ Adam folgte meiner Schleifspur und redete beruhigend auf mich ein. Er versicherte mir, dass es nicht meine Schuld sei und ich den Verlust des Rads nicht hätte merken können. Die Schleifspuren wollten nicht enden. Ich geriet immer mehr in Panik. Dann fanden wir es. Einsam und verlassen lag das Rad ca. 150 m vom Mähdrescher entfernt in den Stoppeln der Rapspflanzen. Die Radschrauben waren gebrochen.

Zu meiner Erleichterung reagierte Richard mit Humor. Die Versicherung würde sich um alles kümmern. Für ihn entstanden keine Kosten.

Einige Tage später stand mein Cat mit repariertem Rad wieder auf der Farm. Ich bekam noch einmal die Gelegenheit, meine Fahrkünste zu beweisen. Einen ganzen Tag verbrachte ich auf meiner Maschine, dann übernahm Mike für einige Stunden. Am nächsten Morgen dann die große Überraschung: Eine der Hauptantriebswellen war gebrochen. Der Schaden war zu groß, um den Cat ein weiteres Mal zu reparieren. Bye, bye, mein Lieber, das war’s dann wohl!

Von Erfahrung konnte ich noch lange nicht sprechen. Sollte mich jemals jemand fragen ob ich einen Mähdrescher fahren kann, dann kann ich höchstens behaupten, ich habe ein paar Stunden in der Kabine gesessen, den falschen Knopf gedrückt und mir gewünscht woanders zu sein. So hatte ich mir das nicht vorgestellt!“

 



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