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Holperdipolter

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Die Nullabor verbindet West- und Südaustralien. Sie beginnt in Norseman, dem Tor zur Nullabor, und endet in Ceduna. Da wir die 203 km von Esperance bis Norseman nicht noch einmal zurücklegen wollten, suchten wir eine Verbindungsstraße zur Nullabor. Unser Atlas zeigte zwei Möglichkeiten. Die Balladoniaroad war klar als Allradstraße gekennzeichnet, sie fiel also weg. Wir wählten die Parmangoroad, die erst kurz vor der Nullabor auf die Balladoniaroad trifft.

 

Früh morgens machten wir uns auf den Weg. Schon kurz hinter dem Nationalpark endete die Teerstraße. Wir fuhren über roten Schotter. Solange die Schotterstraßen in Stand gehalten werden, sind sie für alle Autos leicht passierbar. Es sollte also kein Problem sein, die Nullabor in zwei Stunden zu erreichen.

Schnell hatten wir die 40 km bis zur Parmangoroad zurückgelegt. Auch diese bestand aus Schotter. Keine 25 km später sahen wir das erste Schild, das uns stutzig machte: „4 wheel only“ (nur für Allradantrieb). Da die Straße passierbar schien und wir bereits seit einer Stunde unterwegs waren ignorierten wir die Warnung.

Die Straße veränderte sich mit jedem Kilometer den wir zurücklegten. Immer häufiger durchzogen tiefe Spurrillen den Weg. Löcher, Pfützen und andere Unebenheiten ließen unseren Knopf vibrieren. Es knarrte, das metallische Klirren von Eisenteilen ertönte, gemischt mit den Geräuschen des Motors. Unsere Geschwindigkeit hatten wir auf 20 km/h gedrosselt. Meter für Meter kämpfte sich unser Knopf vorwärts. Ab und zu erblickten wir ein Verkehrsschild, auf dem die uns bereits bekannten Worte zu lesen waren: „4 wheel only“.

 

Silke: „Stundenlang holperten wir nun schon über den Schotter. Unser Auto klapperte, wir hofften, dass unser Knopf durchhält. Eine Autopanne konnten wir nicht brauchen. Das Handynetz hatte sich schon lange verabschiedet. Bisher war uns gerade einmal ein Wagen entgegengekommen. Ein Jeep mit Allradantrieb. Die Insassen hatten uns verwundert angeschaut und amüsiert grinsend gegrüßt.

Nach Stunden hielten wir kurz an. Kaum war ich ausgestiegen surrten tausende Fliegen um meinen Kopf. Dann sah ich ein münzgroßes Tier den Saum meiner Socke erklimmen. Vor lauter Panik schaute ich nicht richtig hin. Ich rechnete mit einer tödlichen Spinne, hüpfte kreischend durch die Gegend und schlug wild auf meine Knöchel ein. Als ich wieder an mir hinabblickte, machte ich das krabbelnde Etwas als eine Bullant, eine Riesenameise, aus. Besser als eine Spinne, aber auch diese beißen. Ihr Biss ist schmerzhaft, vergleichbar mit einem Wespenstich. Ich schlug weiterhin auf das Tier ein, bis ich einen schmerzhaften Stich fühlte. Die Ameise war nicht mehr zu sehen, nun saß eine Bremse auf meinem Bein. Es reichte. Zwischen all diesen Fliegen, Bremsen und Ameisen konnte ich mich auf keinen Fall erleichtern! Schnell rannte ich zurück zum Auto und schloss alle Fenster. Nur weg!“

 

Die Schotterstraße hatte sich mittlerweile zu einem kleinen Pfad gewandelt. Wir fuhren noch langsamer. So langsam, dass sich die Bremsen immer wieder in unser Auto verirrten. Nach der dritten schlossen wir die Fenster endgültig. Es wurde wärmer und stickiger, doch die Angst vor einem weiteren Stich war größer.

Plötzlich tauchte aus dem Nichts ein Schild auf: „Gate ahead“ (Tor voraus). Mit mulmigem Gefühl schauten wir uns an. Ein geschlossenes Tor, ein abgesperrtes Gelände, würde bedeuten, dass alle Strapazen umsonst gewesen wären.

Das Tor näherte sich, war zum Glück offen. Es schien seit Jahren nicht mehr benutzt und war geschmückt mit Kleidungsstücken.

 

Die Landschaft bot einen monotonen Anblick: vertrocknete Bäume und Büsche. Die katastrophale Straße raubte uns den letzten Nerv: tiefe Wasserlöcher, Schlaglöcher, Rillen, Hubbel... Aber wir waren zuversichtlich.
Silke: „Mit Koordinaten und Karte hatte ich errechnet, dass wir in 15 km die Nullabor erreichen würden. Das Navigationssystem war zwar anderer Meinung, aber das hat ja keine Ahnung. Ich verließ mich lieber auf meine navigatorischen Fähigkeiten.
20 km und 1,5 Stunden später hatte sich an unserer Situation nicht viel geändert. Ich prüfte erneut unsere Koordinaten und verglich sie mit der Karte. Wir hatten kaum einen Zentimeter zurückgelegt. Dann kam die Erleuchtung: Die Karten der weniger befahrenen Strassen hatten einen anderen Maßstab. Das Navigationssystem hatte recht, bis zur Nullabor waren es noch 40 km! Sch…“

 

Immer wieder war ein Teilabschnitt der Straße angenehm befahrbar. Leider waren diese Abschnitte meinst nur einige hundert Meter kurz. Danach ging das Geholper weiter.

Von Zeit zu Zeit überquerten Echsen die Straße, würdigen uns keines Blickes. Langsam und bedächtig führten die Tiere ihren Weg fort.

Die Straße hätte den Namen „Vom Winde verweht“ verdient. Ab und zu lag ein umgefallener Baum mitten in der Fahrbahn. Doch immer führen Schneisen an den Bäumen vorbei. Bei unserer Geschwindigkeit liefen wir keine Gefahr die Hindernisse zu treffen.

Obwohl wir unseren Käfer höher gelegt hatten, war er für diese Verhältnisse immer noch zu tief. Der Unterboden knallte nicht nur einmal mit der Straße zusammen. Die zerfetzten Reifenreste, die immer wieder am Straßenrand auftauchen, und das Autowrack heiterten unsere Stimmung nicht besonders auf.

Kam uns ein Wagen entgegen, wurde uns die Sicht durch den roten Staub für die nächsten 100 Meter genommen.

 

Dann, nach 8 Stunden und 100 km Allradstraße erblickten wir endlich die Nullabor.



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1200 km endlose Weiten

Eucla, Australia



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