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Übung macht den Meister

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Schon während der ersten Wochen auf der Farm wurde immer wieder von der Seeding, dem Säen, gesprochen. Mitte April sollte es beginnen.

 

Andre: „Vor dem Start mussten sowohl der Säher repariert und der Aufsatz des Lkws, der den Dünger transportieren würde, gebaut werden.

Als erstes stand der Lkw, ein alter Atkinson, auf dem Programm. Richard hatte schon nach kurzer Zeit Vertrauen in meine Fähigkeiten. Zudem ist er immer offen für neue Ideen und ist wissbegierig. Ich hatte also freie Hand. Die ursprüngliche Konstruktion, ein Getreidebehälter wurde kurzerhand abgebaut und verkauft. Stattdessen kamen zwei 5000 l Tanks auf die Ladefläche. Da wir mit denselben Ventilen die Tanks füllen und entleeren wollten und alles über eine Pumpe laufen sollte, standen wir vor einem Problem. Bei einigen Bierchen und angeregten Diskussionen entstand eine konfuse Zeichnung, aus der am Ende keiner mehr schlau wurde.

 

Anfang April hatte ich den Säher komplett nachgeschaut und auf den ersten Feldern wurde gesät.

Auf Gungunnu gibt es zwar sehr große offene Felder, aber viele sind verwinkelt. Überall stehen einzelne Bäume oder kleine Wälder.

 

Die Wiesen, die im Süden der Farm liegen, werden zuerst bestellt. Obwohl sie nur einige Kilometer von den anderen entfernt liegen, fällt dort mehr Regen.

Richard und ich saßen während der ersten Stunden gemeinsam im Traktor. Er erklärte mir, wie die Maschine funktioniert, worauf ich achten soll, welche Einstellung ich wann brauche und zeigte mir Tipps und Tricks.

Das erste Feld, das wir säten, war eine Herausforderung. Es war verwinkelt, hügelig und einzelne Bäume mussten geschickt umfahren werden. Ein Anfänger hatte hier eigentlich nichts zu suchen. Immer wieder griff Richard ins Steuer, fummelte an den Einstellungen herum und wunderte sich über die vielen Bäume. Allein die Handhabung des Traktors und Navigationssystems forderte meine ganze Aufmerksamkeit. Zudem muss der Säher im Auge behalten werden. Die einzelnen Pflüge  an manchen Stellen  angehoben oder gesenkt werden. Zudem sollte ich die einzelnen Schläuche im Auge behalten.

An diesem Abend schwitzte ich Blut und Wasser, doch es war ein idealer Einstieg. Innerhalb von wenigen Stunden hatte ich die meisten schwierigen Manöver zumindest einmal miterlebt.  

 

Aber offiziell hatte die Seeding noch nicht begonnen. Der ersehnte Regen war noch nicht eingetroffen und somit konnten nur einige Felder gesät werden. Nach zwei Tagen hörten wir wieder mit Sähen auf und gingen der üblichen Farmarbeit nach.

So ging es während Wochen weiter. Immer wieder wurden einige Felder gesät, dann wurde gestoppt, dann wieder gesät, dann wieder gestoppt. Richard sprach immer wieder von Tag- und Nachtschichten, die normalerweise gefahren werden. Andrew, ein anderer Gastarbeiter mit Maschinenerfahrung, stand in den Startlöchern und wartete nur noch auf einen Anruf.

Dass wir seit Wochen mitten in der Seeding steckten bemerkten wir erst, als es schon fast vorbei war.

Mit jeder Stunde, die ich auf dem Traktor verbrachte,  wurde ich gebebter. Handgriffe wurden automatisiert, Vieles konnte ich nach kurzer Zeit blind bedienen. Dadurch konnte ich den Säher beobachten und Manöver gezielter auszuführen.

 

Eine große Hilfe ist das Navigationssystem. In der Kabine des Traktors ist ein kleiner Computer eingebaut. Anhand von 25 Satelliten wird die Position der Maschine genau bestimmt. So kann bis auf 10 cm genau gesät werden. Auf Gungunnu sind die Felder noch nicht im System gespeichert. Deshalb muss die erste Runde manuell gelenkt werden. Das System speichert die Daten. Dann wird der größte Teil automatisch gesät. Ausnahmen sind enge Kurven oder der Wechsel von einer Linie zur nächsten. Auch Bäume und Waldflächen müssen einmal manuell umrundet werden.

Wie praktisch die automatische Navigation ist wurde mir bewusst, als die Computer für einen Tag ausfielen. Plötzlich musste ich nicht nur Kurven selber fahren und die Maschine im Auge behalten, sondern zudem darauf achten, dass ich gerade Linien zog. Über bereits gesäte Stücke durfte ich kein zweites Mal fahren. Zusätzlich musste ich darauf achten, dass keine Lücken entstanden. Mit der 28m langen Maschine ist das gar nicht so einfach. Die kleinste Lenkradbewegung kann für die Anhänger mehrere Meter bedeuten, die zudem erst Sekunden später einsetzen.

 

Meine Fahrten wurden spätestens alle vier Stunden unterbrochen. Dann musste Saatgut und Dünger nachgefüllt werden. Für mich war es immer eine willkommene Abwechslung.

Richard, Mike und Silke sorgten dafür, dass die Lkws schon bereit standen. Wir füllten die Box und kontrollierten die Maschine. Oft blieb Saatgut oder Dünger in den Schläuchen hängen, manchmal fielen diese durch den Druck ab. Die Eisenplatten, die den Boden pflügen, verschleißen und müssen von Zeit zu Zeit gewechselt werden.

Auf der Farm werden drei verschiedene Getreidearten gesät. Die Saatkörner haben unterschiedliche Größen und Gewicht. Wird die Saat gewechselt, so muss die Maschine neu eingestellt werden. Außerdem wird die Box akribisch gesäubert. Je „reiner“ das Korn bei der Ernte ist, desto mehr verdient Richard.“

 



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Gungunnu - Seeding

Frankland, Australia



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